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Titel

    The Decline and Fall of Napoleon’s Empire: How the Emperor self-destructed

Autoren

    Digby Smith

Verlag, Umfang

    Greenhill Books, 239 Seiten, 28 s/w-Illustrationen - ISBN 1853676098

Rezension

    Digby Smith ist Autor diverser BĂĽcher mit Schwerpunkt Militärgeschichte der napoleonischen Kriege. Zum Teil sind seine BĂĽcher auch unter dem Pseudonym  „Otto von Pivka“ erschienen. Dem Napoleon-Online-Forum ist Herr Smith als reger Teilnehmer am Napoleon-Series-Forum bekannt.
    Sein neuestes Buch „The Decline And Fall Of Napoleon's Empire“ beschäftigt sich mit den verschiedenen Ursachen für Napoleons Scheitern.

    KapitelĂĽbersicht:

    1 - The Steps to the Throne
    2 - Military Blunders
    3 - Economic Errors
    4 - 1809: The Puppets Fall Short of Expectations
    5 - Napoleon Centre of the Universe
    6 - Corruption
    7 - 1812: Russia – The Great Blunder
    8 - The Errors of 1813
    9 - 1813: Leipzig, the Battle of the Nations
    10 - 1814: Flashes of Genius, Thoughts of Suicide
    11 - 1815: One last Throw – The Hundred Days

    Die 28 Illustrationen des Buches sind schwarz/weiß und größtenteils Portraits der im Buch erwähnten Protagonisten.
    DarĂĽber hinaus beinhaltet es eine Europa-Karte, eine Zeittafel, ein Literaturverzeichnis und einen 8-teiligen Appendix mit Statistiken und den (englischen) Abschriften von diversen Dekreten. 

    Zusammenfassung:
    Das Buch beginnt mit der Thronbesteigung Napoleons und der anschließenden Inthronisation einer „sort of crowned cosa nostra“ – wie es D. Smith ausdrückt – aus Familienmitgliedern und Gefolgsleuten. Anschließend wird der Polizeiapparat Napoleons behandelt. Diverse Briefe an die damaligen Polizeiminister und auch 1813 an seinen Marshall Davout in Hamburg zeigen auf, mit welchen Details Napoleon sich im Inland und Ausland beschäftigte, um die absolute Kontrolle in den eigenen Händen zu behalten und wie weit er davon entfernt war, delegieren zu können.
    Danach folgt ein Exkurs zu den militärischen Schwachpunkten seiner frühen Regierungszeit. Die Schlacht von Marengo wird als Beispiel für Napoleons Unterschätzung seiner Feindes angeführt, welches sich u.a. 1809 wiederholen sollte. Ein weiteres Thema bildet die Dominanz der Briten auf den Weltmeeren und Napoleons Verhältnis zu Seefahrt und Marine basierend auf Briefen an die Admirale und Vize-Admirale seiner Flotte.
    Darauf folgend wird auf die enorme Wichtigkeit des Rheinbundes fĂĽr den französischen Export eingegangen. Basierend auf Statistiken u.a. ĂĽber die Exporte aus Frankreich zwischen 1805 und 1815 werden die Auswirkungen der Kontinentalsperre sowohl auf Frankreich und seinen VerbĂĽndeten als auch auf England erläutert. Der Widerstand Napoleons gegen die Kräfte des Marktes wird anhand von MaĂźnahmen und GegenmaĂźnahmen demonstriert.  Auch hier wird Napoleons Unfähigkeit zu delegieren anhand seiner „Correspondance“ thematisiert.
    Daran anschlieĂźend behandelt das Buch die Anforderungen die Napoleon Jerome, dem König von Westfalen (dem Bruder Napoleons) und Murat, dem Grossherzog von Berg (dem Schwager Napoleons) aufbĂĽrdete; es stellt aber auch die Enttäuschungen dar, die er durch diese erfuhr.
    Kapitel 5: „Napoleon Centre of the Universe“ erinnert die Leser an J.R. Eltings „Swords around the throne“, Kapitel 5. Hier wie dort werden die Struktur und Aufgaben des Stabes unter Napoleon und einige Mitglieder im Detail besprochen. Diese detaillierte Darstellung dient Digby Smith hauptsächlich dazu, die Bedeutung des Fehlens einer adäquaten Ausbildungsorganisation und -Institution für Stabsoffiziere in der napoleonischen Armee zu verdeutlichen.
    Nach einer kurzen Betrachtung der Auswüchse der Korruption unter dem Kaiserreich am Beispiel der Vorgänge in Spanien, und des Unterkapitels: „Distractions of the Flesh“, das sich auf die Heirat mit Marie-Louise beziehen, wendet sich Digby Smith nun vollends dem Militär und – nur begrenzt - der Diplomatie zu.
    Wirtschaft als auch Politik treten in den Hintergrund.
    Ab Kapitel 7 werden die wichtigsten militärischen Entscheidungen von 1812 bis 1815 erwähnt und kommentiert und mit zeitgenössischen Quellen hinterlegt (Segur, Marbot, Odeleben, Meerveld, u.a.)
    Das letzte Kapitel des Buches beschäftigt sich mit den „Cent Jours“ und in einem Unterkapitel speziell mit der Schlacht von Waterloo.

    Stellungnahme:
    Das Buch erscheint mit einem sehr modernen Ansatz.
    So verweist Herr Smith im Vorwort auf seine intensive Nutzung des Internets zu seiner Recherche. Anstelle der ĂĽblichen Danksagung an Institutionen oder befreundete Historiker und Autoren dankt er diversen Teilnehmern der Internet-Foren fĂĽr ihre UnterstĂĽtzung.
    Auch seine häufige Bezugnahme auf spätere geschichtliche Personen und Ereignisse ist bemerkenswert. Erwähnt werden so u.a. die E.U., der COMECON, der Warschauer Pakt, die NATO, der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71, der 2. WK, der gegenwärtige Krieg im Irak, die US-Präsidenten Clinton und G.W. Bush.
    In nur 239 Seiten die Ursachen fĂĽr den Fall Napoleons erörtern zu wollen, erscheint als ein ehrgeiziges Unternehmen. Und so krankt das Buch denn auch generell  sehr an dieser Limitierung. Wer eine tiefgehende Studie ĂĽber Ă–konomie und Politik erwartet, wird enttäuscht werden. Der militärische Bereich nimmt den größten Teil des Buches ein.
    Ă–konomie und Politik  (insbes. Innen- und Finanzpolitik) sind proportional unterrepräsentiert.  
    Die Stärke des Buches liegt in den zahllosen Abschriften und Zitaten, die gut ausgewählt und in Zusammenhang gesetzt werden. Sie ergänzen Standardwerke wie die von J. Tulard oder J. Presser, wo auf deren Wiedergabe en masse verzichtet worden ist.
    Ein großer Teil der Abschriften entstammt der umfangreichen „Correspondance“ Napoleons.
    Seiner eigene Zielsetzung „I hope that readers will learn something new about Napoleon“ wird Herr Smith insofern gerecht, als einige der Zitate/Abschriften seinen Lesern so - und in diesem Zusammenhang - neu sein dürften.
    Insbesondere im Kapitel 11, Unterkapitel: „Waterloo“ scheint es dem Leser, als gleitet Digby Smith vielleicht etwas zu sehr zurĂĽck in das Thema seines vorherigen Buches „Charge! - Great Cavalry Charges of the Napoleonic Wars” (Greenhill Books, 2003).  
    Die groben Fehler Napoleons vor und während der Schlacht werden zwar kurz erwähnt, treten aber weit zurück hinter den – zugegebenermaßen äußerst interessant zu lesenden - Erinnerungen des französischen Kavallerie-Hauptmanns Fortune Brack (gemeint ist: Brack, Antoine Fortune de).
    Auf immerhin 5 von insgesamt 11 Textseiten  dieses Kapitels werden dessen Erinnerungen an die Schlacht wiedergegeben, um damit die These aufzustellen und zu untermauern, das die berĂĽhmten Kavallerieattacken Neys tatsächlich nur durch einen Zufall ausgelöst wurden.
    Das Buch bietet ein Literaturverzeichnis gemischt aus neueren wie auch älteren Quellen.
    Quellen werden i.d.R. im Text oder in Fußnoten benannt; leider aber nicht durchgängig.
    Zum Teil wird auf ein vergleichendes Zitieren - wohl auch aus Platzgründen –verzichtet.
    So kommt im Kapitel 7, „1812, Russia – The Great Blunder“ nur Segur des Öfteren aber kein einziges Mal Caulaincourt zu Wort.
    Über die jeweilige Verlässlichkeit der Informationen zu urteilen, die - wie oben bereits erwähnt - aus dem Internet stammen und auch als solche gekennzeichnet sind, bleibt dem Leser überlassen.

    Wer ist die Zielgruppe dieses Buches?
    Neueinsteiger könnten durch die diversen Zeitsprünge überfordert sein.
    Da hilft ihnen auch die unvollständige “Chronology“ nur bedingt (Der Friede von Amiens und die Schlacht bei Preuss.-Eylau finden keine Erwähnung; die Schlacht bei Aspern-Essling wird als Sieg Napoleons dargestellt.).
    Das Buch ist fĂĽr Fortgeschrittene geeignet, die sich bereits zuvor mit den verschiedenen Teilbereichen beschäftigt haben.  Die diversen Zitate und Abschriften – in Zusammenhang gesetzt - können von ihnen als Ergänzung von bereits zuvor gelesenen Werken betrachtet werden. 

Rezensent

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