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Rezensionen
Armeegeschichte

Titel

    Artillery of the Napoleonic Wars 1792-1815

Autoren

    Kevin F. Kiley

Verlag, Umfang

    Greenhill Books - 318 S., 26 Tafeln, 52 Strichzeichnungen und Karten
    ISBN 1-85367-583-0

Rezension

    Das hier vorliegende Werk stammt aus der Feder eines Autoren aus Überzeugung, der selbst als Offizier bei der amerikanischen Artillerie gedient hat und daher profunde Kenntnisse in deren taktischen Anwendung einbringen konnte. Kevin F. Kiley dürfte dem geübten Internetbenutzer aus seinen streitbaren Beiträgen in verschiedenen englischsprachigen Diskussionsforen bekannt sein - und somit auch dessen dort vertretenen eindeutig pro-französische eingestellen Sichtweise.
    Umso erfreulicher ist es, dass es ihm mit dem Buch gelungen ist, eine ausgewogene Darstellung der Artillerie in allen bedeutenden Mächten der Napoleonischen Zeit abzuliefern - die Berücksichtigung der Waffe in der noch jungen amerikanischen Armee mag als Widmung an seine “Waffenbrüder” respektieren. Das Buch nimmt unter den modernen Erscheinungen eine herausragende Position ein, da es alle Aspekte des Artilleriewesens detailliert beschreibt - der umfangreiche Anhang mit 15 Kapiteln unterstreicht diesen Ansatz.
    Ein zweiteiliger Ansatz in Theorie und Praxis leitet den Leser über die Grundlagen hin zur tatsächlichen Anwendung der für die Napoleonischen Kriege bedeutenden Waffe. Im ersten Teil führt der Autor den Leser durch die unterschiedlichen Philosophien, und geht dabei ausführlich auf die beiden herausragenden Reformer - den Österreicher Lichtenstein und den Franzosen Gribeauval - der Epoche ein. Weitere Kapitel beschäftigen sich eingehend mit den Konstruktionen der unterschiedlichen Waffensystem (unterlegt mit zahlreichen, zeitgenössischen Strichzeichnungen), deren Funktionsweise sowie deren Anwendung im täglichen Drill. Am Ende dieses ersten Teils steht eine umfangreiche Diskussion der Taktiken beim Einsatz von Artielleriewaffen während der Napoleonischen Kriege.
    Im zweiten Teil des Buches geht der Autor auf herausragende Episoden ein, in deren Mittelpunkt Artilleristen (oder Ingenieure) standen. Er beschreibt die Aktionen des Franzosen Senarmonts im Feldzug von 1807, des Österreichers Smolas im Feldzug von 1809, des Engländers Ramsay bei Fuentes d’Onoro, des Franzosen Eblés an der Beresina, des Franzosen Drouot im Feldzug von 1813, sowie der jungen amerikanischen Artillerie im Krieg von 1815. Alle Beispiele leben vom animierten Stil des Autors und liefern ein beeindruckendes Bild der oft nur gering beachteten Waffengattung.
    Aufgrund der Detailfülle dieses Werkes und der umfassenden Darstellung, sowohl der theoretischen Grundlagen, als auch der praktischen Anwendung, stellt es einen hervorragenden Einstieg in die komplexe, “ballistische” Materie dar. Für Forscher der taktischen (und abgeleiteten strategischen) Grundlagen der Napoleonischen Kriegsführung ist es daher ein nützliches Handbuch.

Rezensent

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Titel

    Cossack Hurrah! Russian Irregular Cavalry Organisation and Uniforms during the Napoleonic Wars

Autoren

    Dr. Stephen Summerfield

Verlag, Umfang

    Partizan Press / Caliver Books - 80 S., 12 Farbtafeln, zahlreiche s/w-Abbildungen. ISBN 1-85818-513-0

Rezension

    Der Verlag Caliver Books tritt eine ernstzunehmende Konkurrenzposition zu den bekannten Osprey-Heften an; mit der Reihe “Partizan Press” sollen Themengebiete im gleichen Format wie die allseits bekannten und beliebten Arbeiten des Osprey-Verlages abgedeckt werden.
    Das vorliegende Buch ist das Erste, mit dem ein Fuß in die “Tür” Napoleonische Zeit gesetzt werden soll - und das mit Erfolg. Der Autor Dr. Stephen Summerfield, ein bisher auf dem Gebiet des Wargaming aktiver Hobbyforscher hat mithilfe einer umfangreichen, primär englischsprachigen, Literaturliste mehr als ein Einstiegswerk in die komplexe Thematik der Irregulären Truppen Russlands vorgelegt.
    Sein Heft deckt die Bereiche Militärischer und sozialer Aufbau der Irregulären Truppen, die Geschichte deren Einsatzes auf den unterschiedlichen Kriegsschauplätzen (inklusive einfacherer Ordres de Bataille), deren Uniformierung, Bewaffnung und Fahnen/Standarten, die Besonderheit der Pferde und deren Zucht, die Besonderheiten der unterschiedlichen Kosakenstämme in Organisation und Uniformierung sowie die Struktur und das äußere Bild der “regulären Kosaken”. Abgerundet wird dies durch eine umfangreiche Biographie des Kosaken-Hetmans Platov, einer tabellarischen Geschichte der Kosaken in Russland unter den verschiedenen Regenten sowie einem Glossar. Das Ganze wird untermalt mit eingestreuten, gesondert gekennzeichneten, zeitgenössischen Kommentaren über das Wesen und die Erfahrungen mit den Irregeulären Truppen Russlands.
    Aber nicht nur diese umfassende textliche Beschreibung macht dieses Werk empfehlenswert, auch die zahlreichen eingestreuten Abbildungen lohnen eine intensivere Betrachtung. Zum Einen werden die in einer russischen Postkartenserie veröffentlichten Abbildungen sowohl in Schwarz/Weiß als auch in Farbe gezeigt, mehr jedoch lohnen die nicht wenigen zeitgenössischen Tafeln aus dem reichen Fundus der Anne S.K. Brown Collection in den USA - zudem sind alle vier, inzwischen vergriffenen Farbtafeln von Patrice Courcelle über die Russischen Gardekosaken (ebenfalls in Farbe) eingebunden. Einziges Manko der s/w-Bilder ist der meist zu dunkle Druck, so dass Details zum Teil nur schwer zu erkennen sind.
    Dr. Stephen Summerfield ist es mit “Cossack Hurrah!” gelungen, Struktur in die Vielzahl der Darstellungen russischer Kosaken und anderer irregulärer Truppen zu bringen - der günstige Bezugspreis, der in etwa dem eines Osprey-Heftes entsprechen dürfte, sollte keinen Figurenmaler, Uniformforscher oder auch Interessenten der Russischen Armee - v.a. der Jahre 1812 bis 1814 - davon abhalten, dieses Büchlein zu erwerben.

Rezensent

Bezugsquelle

    Militärhistorische Buchhandlung Klaus-Dieter Gerson, Glinde
    Telefon 040/7104522 - Telefax 040/7101944

Titel

    Die Sächsische Armee zur Zeit Napoleons. Die Reorganisation von 1810

Autoren

    Wolfgang Gülich

Verlag, Umfang

    Sax-Verlag Beucha - 320 S., 8 farbige Uniformtafeln
    ISBN 3-934544-77-0

Rezension

    Im sog. Epochenjahr 2006 ist diese sehr erfreuliche Arbeit erschienen, die den ansonsten sehr dünnen deutschsprachigen Markt an Literatur über die Napoleonische Zeit bereichert. Der Autor geht in seinem Vorwort auf die Beweggründe für die sehr gut recherchierte Arbeit ein; denn er durchlebte als ranghoher Offizier (Brigadegeneral zum Zeitpunkt der Verabschiedung) die Migration der ehemaligen Nationalen Volksarmee zur Bundeswehr mit all seinen Paradigmenwechseln.
    Diese Umwandlung erinnerte Wolfgang Gülich an die ähnliche Situation, der sich Sachsen nach der vernichtenden Niederlage an der Seite der Preußen im Feldzug von 1806 stellen musste. So eröffnet der sein Buch mit Kapiteln über die alte Sächsische Armee mit allen Aspekten, wie z.B. Truppenführung, Rekrutierung, Innere Ordnung oder Ausbildung. Er geht kurz auf die Einsätze im Feldzug von 1806/07 ein und leitet über ein weiteres Kapitel, das dem Feldzug 1809 an der Seite der Franzosen gilt, auf den Hauptaspekt des Buchs über.
    Auf den über 150 folgenden Seiten befasst er sich eingehend mit der Reorganisation der Sächsischen Armee von 1810 und stellt in einer kritischen Bewertung diesen Umbruch in Relation zur “Alten Armee” vor 1806. Den Erfolg der 1810er Reformen stellt der Autor anhand der Einsätze 1812 bis 1815 dar.
    Einzig die Uniformierung wird im Vergleich zu kurz betrachtet - die 7 Seiten entsprechen fast komplett der Arbeit von W. Friedrich aus dem Jahr 1997. Die beigefügten 8 farbigen Uniformtafeln mit Schemata aus dem Computer von Dr. Peter Bunde trösten etwas über dieses “Manko” hinweg.
    Trotz dieser Einschränkung ist das Buch unbedingt zu empfehlen und sollte in keiner ambitionierten Bibliothek fehlen. Auch wenn sich die Nutzung des bibliophilen, 1885 veröffentlichten Grundlagenwerkes von Schuster/Franke über die Sächsische Armee durch das Buch zieht, verdeutlicht die häufige Nennung von noch vorhandenen Akten aus Sächsischen Archiven den profunden Umgang mit der Materie. Diese finden sich u.a. in den 45 Anlagen, unter denen sich Instruktionen, Organisationsstrukturen oder Kommandeurslisten finden.
    Mit diesem Buch liegt für eine weitere deutsche Armee der damaligen Zeit ein umfassendes Kompendium vor, das bis auf den Aspekt der Uniformierung zum intensiven Studium geeignet ist.

Rezensent

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