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Napoleon und die Modernisierung deutscher Staaten
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Fanny
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BeitragVerfasst am: Mo, 3. April 2006 20:50 Beitrag speichern    Titel: Napoleon und die Modernisierung deutscher Staaten Antworten mit Zitat

Hallo!
Vielleicht kann mir irgendwer helfen, ich soll ein Vortrag über Napoleon und die Modernisierung deutscher Städte halten und habe bisher NICHTS gefunden.
Hat denn der Napoleon überhaupt IRGENDWAS mit deutschen Staate znu tun gehabt, außer, dass er sie beherrschte???
Bitte eindringlich um Hilfe...
mit vielen Grüßen,
Fanny
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Beiträge: 960
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BeitragVerfasst am: Mo, 3. April 2006 21:03 Beitrag speichern    Titel: Auf die Schnelle ... Antworten mit Zitat

... in Kürze einige Stichworte (ist ja hier im Forum schon in anderen Threads zahlreich erörtert worden - Suche benutzen Wink ):

Bereinigung des "deutschen Flickenteppichs"
Durch die Bildung größerer Flächenstaaten wurde das noch nicht als Deutschland zu bezeichnende Gebilde aber weiter "harmonisiert", d.h. eine einfachere spätere Einigung (1870/71) ermöglicht.

Modernisierung des Rechtssystems
Napoleon erzwang bzw. empfahl den verbündeten Staaten die Annahme des französischen bürgerlichen Gesetzbuches - dem Code civil bzw. Code Napoleon.

Entwicklung des "deutschnationalen" Gedankens
Aufgrund der Besetzung und von vielen Bürgern deutscher Staaten als Diktatur empfundenen napoleonischen Herrschaft entstand erstmals ein "deutscher Nationalismus", der in den Befreiungskriegen ausbrach und sicherlich seine Fortsetzung in den Studentenbewegungen der 1820-1840er Jahren bzw. in dem kontinuierlichen Bestreben nach einer "deutschen Einigung" fand.

Soweit in Kürze das meiner Meinung nach wichtigste an der "Modernisierung der deutschen Staaten".
Viel Erfolg mit dem Referat
Markus Stein
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B-Altona
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BeitragVerfasst am: Di, 4. April 2006 20:55 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Sehr geehrter Herr administrator
Ihre
Antworten sind wie so oft sehr ausgewogen und und korrekte aber ich möchte doch anhalten das die napoleonische Herrschaft " von vielen als Diktatur empfunden" sehr milde ausgedrückt ist. Keiner sei es auch aus welchem "Kleinstaat" empfindet Fremdherrschaft als "Vortschritt" und es war Diktatur was Napoleon betrieb. Der code civil war ein Vortschritt aber ihen von "oben zu bekommen". ?????? d
Diktatoren sind eben auch oft "Missionare" was sie nicht besser macht.
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Mephisto
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BeitragVerfasst am: Mi, 5. April 2006 2:13 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, B-Altona,

Ich glaube kaum, daß den Bauern, Leibeigenen, den Juden etc...
eine Verwaltungsreform, Schulreform, eine Rechtsreform etc...
negativ aufgestossen ist.
Wenn dann noch in der Kirche Napoleon eine gute Gesundheit etc...
gewünscht wurde, dann kann man sich wohl kaum mehr eine "allgemeine Unzufriedenheit"
unter der "know-nothing-Bevölkerung" vorstellen, oder!?
Dem Hannoverschen Bauern konnte se prinzipiell egal sein,
wessen Herrschaft (der Engländer, Preußen und nachher Franzosen) sie unterlagen.
"Cuius regio, eius religio!"
In meinen Augen hatte sich bis dahin wenig geändert.
Schön, daß diese Reformen vielen Analphabeten das Lesen der Aufrufe
eben gegen diesen Ihren Föderer überhaupt erst ermöglicht hat, gelle!?
Diese zusammen natürlich mit der zunehmenden Konskription hat für Widerstand gesorgt.

Zitat:
Der code civil war ein Vortschritt aber ihen von "oben zu bekommen".

Von wo denn sonst zu dieser Zeit???
Wir vergessen hier wohl, daß dies bis dahin immer so war und immer so weiter gegangen wäre!?
Gottgegebene Herrschaft der Könige etc...

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Gruss
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Laquay André
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BeitragVerfasst am: Fr, 7. April 2006 9:20 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Die Verfassung auch die des Direktorium kam aus der Mitte der begüterten Gesellschaft. Ich erwähnte es bereits an anderer Stelle. Wer so platt sagt, alles kam von oben UND das war halt damals so. Lässt außer Acht, dass zwischen 1789 und 1799 etwas in Frankreich passiert ist, das man Revolution nennt.
UND
dass andere Staaten wie Großbritannien, trotz aller Fehler des politischen Systems, eine Form der Demokratie hatten, der die Gesetze unterworfen waren, die von KEINEM König diktiert wurden. Ich denke da an den Verbot der Sklaverei. Das Oberhaus streubte sich entschieden, aber das Unterhaus setzte sich, wenn auch 10 Jahre verspätet doch durch.

Bonaparte war kaum ein Reformer, weniger, als man es annimmt auf jeden Fall. 1830 bewies, dass man die Revolution in EUROPA nicht ungeschehen machen konnte. Wer die FRANZÖSISCHE Revolution nicht auch als eine EUROPÄISCHE Revolution begreift, greift meiner Meinung nach viel zu kurz!
Ich will den Thread nicht verwässern, musste aber dennoch was sagen, zu unserem Wohltäter N.. Evil or Very Mad

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Mephisto
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BeitragVerfasst am: Mo, 10. April 2006 12:42 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
„Wer die FRANZÖSISCHE Revolution nicht auch als eine
EUROPÄISCHE Revolution begreift, greift meiner Meinung nach viel zu kurz!“


Da stimme ich Dir natürlich zu.

Doch bedenke: “Gut Ding will Weile haben”.

Selbst Frankreich konnte sich in Teilen (Vendee, etc.) nicht mit der Demokratie anfreunden und wollte den guten alten / neuen König wieder/haben.

Insbesondere Spanien kann man hier anführen, das mit seiner erzkonservativen Bevölkerung
wohl kaum zu den energischsten Verfechtern revolutionären Gedankengutes zählte, oder?!

Ich glaube, Du überschätzt den Geist der Revolution insbesondere bei Frankreichs Nachbarn in den frühen Jahren danach maßlos, ... und dies weil Du keinen Unterschied machst zwischen arm und reich, zwischen gebildet und ungebildet, zwischen Analphabeten und denen die lesen konnten.
Du stellst die "ärmeren Schichten auf eine Stufe mit den Bürgerlichen was deren damaligen Ansprüche an eine Regierung betrifft.
Mit 1789 ist nach meiner Meinung sicher ein Ruck durch die Gesellschaft gegangen, aber hat nicht aus jedem stante pede einen politisch denkenden Kopf oder gar einen Demokraten gemacht.
Vielen Menschen damals ging es nur und vor allem ums Überleben.
Und die Abschaffung des Zehnt an die Kirche zBsp.- wie Du sagst "von oben"- kann ich mir nuneinmal nur mit einer positiven Reaktion in der Bevölkerung vorstellen (kirchliche Würdenträger natürlich ausgenommen...).

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Gruss
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Laquay André
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BeitragVerfasst am: Mo, 10. April 2006 14:42 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Alle diese Aspekte begreife ich durchaus.
Aber wer ist denn für den Staat als Steuerzahler in erster Linie interessant, so interessant, dass man ihm am ehesten noch das Wahlrecht zubilligen würde? Das wohlhabende Bürgertum! Ohne dieses und gegen dieses ließ es sich nichtmehr regieren. Aus dem Grund, weil die Realitäten dieser Zeit eine erfolgreiche Beteiligung der unteren Bev.-schichten am politischen Leben, d.h. an der Demokratie ausschloss, klammere ich die unteren Bev.-schichten auch bewusst und der Einfachheit halber aus.

Dass dieses Ausklammern damals die Agression gegen die Republik oder die neue Ordnung gerade auf dem Lande beförderte, ist so eindeutig wie einleuchtend. Gegenüber dem König waren alle Untertanen, abgesehen von dem ganz alten Adel, Untertanen, gleichviel wie reich oder arm sie waren. Bloß der Adel konnte in Frkr. über die Parlamente in den Provinzen bei der Politik ein gewichtiges Wörtchen mitreden. Kein Wunder, dass somit AUCH die Bauern und Landbev. überhaupt unter einem gewissen Steuerlimit sich hintergangen fühlten.

Die Vendée begreife ich als das was es war, ein regional und auf regionalen Problemen beruhender Aufstand, der durch den Zentralismus und die Jakobinerdiktatur mehr entfacht, als gezämt wurde.
In den großen Städten Italiens wie Deutschlands finden wir einen nicht unterschätzbaren Anteil der Bewohner, welche die Republik befürworteten. Mit dieser Oberschicht geriet gerade die Pariser Regierung häufig in Clinch, aber sie war eine willige und erfolgreiche Stütze, bei der Errichtung der Schwesterrepubliken.

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maki
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BeitragVerfasst am: Mo, 10. April 2006 22:19 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Verehrte Freunde

Ich erlaube mir, mich hier zu äussern. Es scheint mir wichtig, dass man Napoleon und die Revolution trennt. Zwar "erbt" Napoleon das revolutionäre Sendungsbewusstein aber was er aus der Sicht von vielen Menschen in Europa vorallem verbreitet hat, ist der Krieg.
Auch Leute, die der Revolution gegenüber im Grunde positiv eingestellt waren, wurden durch die napoleonischen Taten zu Gegnern Frankreichs (Ob Beethoven ein gutes Beispiel ist, weiss ich nicht).
Die Schweiz scheint mir aber dafür ein Beispiel zu sein: obschon hier Napoleon wohl mehr für den Frieden unternommen hat als die revolutionären Kräfte (oder gerade deswegen?), wurde er (in der Deutschschweiz) häufig als Diktator und fremder, grössenwahnsinniger Schlächter wahrgenommen.
Die französische Schweiz hat ihm, und mit ihm auch der befreienden Revolution, mehr Wohlwollen entgegengebracht.
Interessanterweise sollte die Schweiz dann 1830 eines der wenigen Länder sein, in denen die Revolution erfolgreich bleibt.
In den Staaten Deutschlands hatte wohl die Bevölkerung für die Revolution viel Sympathie, die Fürsten ev. eher für Napoleon, wenn auch unter Zwang.

Mit freundlichem Gruss

maki
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BeitragVerfasst am: Mi, 12. April 2006 12:07 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Die Mehrheit der zeitgenössischen Zeugnisse - davon gehe ich aus –
kommt von „Privilegierten“, also Leuten, deren Bedürfnisse gemäß Bedürfnispyramide
ganz andere waren als die der “Masse des Volkes“.
Der eine interessiert sich für politische Rechte, der andere für den Ertrag der nächsten Ernte.
Das sollte man nicht vergessen.

So wie die Erklärung der Menschenrechte aber allen Menschen zugute kam
(oder kommen sollte) und eben nicht nur einer bestimmten Gruppe in der Gesellschaft,
so auch die Modernisierung der deutschen Staaten.
Politisch, da hat Andre sicherlich recht, war Hauptnutznießer das Bürgertum.
Aber sie waren eben nicht die einzigen Nutznießer, und die politische Umwälzung war
nicht das einzige Ergebnis der Revolution.
Die soziale Komponente ist für mich mit entscheidend.
Einheitliche Gerichtsbarkeit mit Abschaffung der Folter, Abschaffung
von Privilegien des Adels und der Kirche, Mediatisierung, Säkularisierung,
Verwaltungsreform, Schulreform, Abschaffung der Leibeigenschaft, Judenemanzipation,
Aufhebung der Stände, und…und…und.
Und alles sozusagen auch noch fast gratis.
Keine Massenexekutionen auf der Elbe wie auf der Loire, kein Blutgerüst ala Paris
in einer deutschen Hauptstadt.
Ein paar Schlachten verloren wohl – aber doch immerhin mit minimalen Verlusten
unter den Zivilisten.

Die Kriege – so grausam sie waren - vergingen, …so auch die Konskription,
…so auch Napoleon.
Was aber geblieben ist, ist die Modernisierung der deutschen Staaten.

Ob die Modernisierung dem Otto-Normalverbraucher / der Masse des betroffenen (deutschen) Volkes
damals bewusst war und ihn erfreut hat?

(Vielleicht,…denn die Konskription drohte ja nicht jedem.
In Frankreich hatte Napoleon III bei den Wahlen besonders in der Landbevölkerung einen starken Rückhalt.
Dort schien die Zeit der endlosen Kriege wohl bereits vergessen und ein wahrer Napoleon-Kult betrieben worden zu sein.)


Aber gesicherte Aussagen kann man darüber wohl nicht treffen.
Schliesslich mussten die Unterprivilegierten (der Bauer, Handwerkerlehrling etc…)
doch erstmal schreiben und lesen lernen.
Ob sie aber daraufhin gleich ihre Memoiren geschrieben haben
und damit den positiven Wandel in ihrem Leben dokumentiert haben???
Ob sie ihn überhaupt realisiert haben?
Ob er nicht nach Generationen überhaupt erst erkennbar war?
Ob der aufkommende Nationalismus jegliches „nachträgliche“ Lob
am "verpönten Franzmann" nicht bereits im Keime erstickt hat?

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BeitragVerfasst am: Mi, 12. April 2006 13:14 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Mephisto hat Folgendes geschrieben:

Einheitliche Gerichtsbarkeit mit Abschaffung der Folter, Abschaffung
von Privilegien des Adels und der Kirche, Mediatisierung, Säkularisierung,
Verwaltungsreform, Schulreform, Abschaffung der Leibeigenschaft, Judenemanzipation,
Aufhebung der Stände, und…und…und.
Und alles sozusagen auch noch fast gratis.

Wiederum denke ich an eine Überbewertung Napoleons. Die Säkularisation zum Beispiel wurde sowohl von Maria Theresia wie auch Joseph II. betrieben. Leopold II. war willens, wenn auch bedächtiger den Refomkurs seines Vorgängers fortzusetzen. Das Bild, das wir von ihm haben ist freilich gerade durch die Revolution arg entstellt.
Die Restauration begann 1792 wie ich bereits an anderer Stelle ausführte.

Alle die von dir aufgezählten Reformen, wären ohne N., nicht bloß theoretisch, auch eingetroffen. Er entflammte sozusagen ja bloß die Restauration (wie es zugegeben auch die Revolution tat).
Positives wie die Judenemanzipation wurden zurükgenommen...
Auch fragt sich, was von den Modernisierungen direkt von ihm angestiftet wurde, was verhindert und was erzwungen, als einzig mögliche Lösung von Staatskrisen, die durch das starke Frankreich (ob mit oder ohne ihm) hervorgerufen wurden. Bei Letzterem denke ich an Bayern...

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BeitragVerfasst am: Mi, 12. April 2006 13:35 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Alle die von dir aufgezählten Reformen, wären ohne N., nicht bloß theoretisch, auch eingetroffen.


Wohl - vielleicht – irgendwann- je nach dem – abhängig vom jeweiligen Landesvater - möglicherweise…
Wieviele Jahre, Jahrzehnte, Jahrhundert veranschlagts Du dafür
insbesondere in Anbetracht des von Markus bereits genannten “Flickenteppichs Deutschlands”
sowie der Zögerlichkeit der von Dir genannten Reformen?

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BeitragVerfasst am: Mi, 12. April 2006 14:31 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Der Flickenteppich wurde ja AUCH von N. befördert, obwohl die neuen Mittelmächte viele kleine Herrschaften verschlangen.
Warum dieses AUCH? Weil N. selber zum Ende des Deutschen Reiches den wesentlichsten Anteil hatte.
Sicherlich hatte Friedrichs Fürstenbund endgültig jede flächendeckende Reform im Keim erstickt. Joseph hatte viel, mancher sagt zuviel, gewollt und wenig erreicht. Er starb zu früh.
Eine eingende Reform im deutschen Reich war aber so weit nicht weg. Sicherlich ist es müßig darüber zu spekulieren. Selbst die Reichsumstrukturierung Anno 1803 sehe ich allerdings auch als Chance, ein modernes Reich zu schaffen.
Die Politik in Wien ließ jegliche Reformbemühungen nicht zuletzt durch den unausgegorenen und überhasteten Krieg von 1805 fahren und die letzte Möglichkeit im, bald ehemaligen, Reich ein gewichtiges Wort mitzureden.

Viele Revolutionäre hatten schon 1798 überregionaler gedacht, als die Realisierung uns das meinen ließe (Mainzer Republik, Cisrehnaische Republik). Eine Gefangennahme aller in Rastatt anwesenden Personen war angedacht. Die Verschwörung wurde rechtzeitig entdeckt. Die Verschörer flohen in die Schweiz. Heute ist leider nicht mehr viel über sie bekannt.

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BeitragVerfasst am: Mi, 12. April 2006 15:09 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Der Flickenteppich wurde ja AUCH von N. befördert

Hallo, Andre,

Ich sehe das nicht so.
Das HRRDN war vor 1805 ein Flickenteppich und wäre es wohl auch danach geblieben.
Unterschiedliche Rechtsprechung, Maße, Gewichte, etc…
Der Rahmen war nur ein sehr loser und das „Reich“ verdiente seinen Namen kaum mehr.
Von flächendeckenden Reformen sehe ich nichts.
Ich kann an den Reformansätzen einzelner Habsburger keine
viel versprechende Änderung der damaligen Gegebenheiten erkennen;
der Kaiser konnte nur in seinen Erblanden bestimmend wirken.
Dies war die Folge der „deutsche Libertät“, um die im Dreißigjährigen Krieg gerungen wurde,
und die im Westfälischen Frieden auch wiederhergestellt worden war.
Bei aller – besonders der von mir als Hansestädter geschätzten – Vorteilhaftigkeit dieser Regelung
verkenne ich dennoch nicht ihre Hinderlichkeit dem wirtschaftlichen und politischen Fortschritt gegenüber.

Napoleon hat diesen „Flickenteppich“ nach meiner Auffassung und entgegen
Deiner Darstellung auf einige wenige „Flicken“ reduziert.
Er hat einen Rahmen beseitigt, der nicht mehr hielt und einen neuen gezimmert.

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BeitragVerfasst am: Do, 13. April 2006 8:35 Beitrag speichern    Titel: Das alte Reich und der Flickenteppich Deutschland Antworten mit Zitat

Es wäre empfehlenswert auch die Zeit von 1792 zu studieren, wenn man sich mit der Zeit danach beschäftigt. Die Zahl der Reichsstände nahm nicht bloß beständig, sondern rapide seit dem Westfälischen Frieden ab. Sehr viele reichsunmittelbare Städte wurden von ihren baldigen Landesherren "kassiert". Das lief ungefähr so ab, wie das Bauernlegen, also recht brutal. Die Truppen marschierten in die Stadt ein oder bombardierten sie gar, wie im Falle Münsters. Erfurt, ehemals eine wichtige eigenständige Stadt wurde vom Mainzer Kurfürst kassiert und musste den Treueeid schwören. Mit der Libertät der deutschen Stände war es rascher vorbei, als ich selber angenommen hatte.
Beispiele: Hannover. Die verschiedenen Welfenherzogtümer wurden von einer Linie "vereinigt" sogar entgegen aller Hausgesetze, die eine Primogenitur ausschlossen.
Die Vorsitzenden der Reichskreise nutzten diese Stellung dazu aus, die Mitglieder dieser Kreise unter anderem zu unterwerfen. Bloß im heutigen Württemberg gelang dies nicht, da hier die Opposition gegen die herzögliche Gewalt nach wie vor sehr stark war und wurde obendrein noch behindert durch die Präsenz der habsburgischen Macht in Vorderösterreich (wichtiger Sitz: Freiburg). Erst 1803 konnten endlich in der Hinsicht zu Gunsten Württembergs und Badens (bzw. deren Häupter) andere Verhältnisse geschaffen werden.
Hier zeigt sich zwar wiederum, dass die administrative Schwäche des Reiches auch zur Beseitigung des Flickenteppichs dienlich war, weil die Reichsgerichte zusehends völlig überlastet waren, aber besonders Staatstheoretiker des späten 18.Jahrhunderts hielten eine Modernisierung und grundlegende Reform des Reiches für möglich.
Wenn man diese Reform für positiv hält, kann man sagen, dass leider der Wille eines Friedrich II. und nochmehr die Revolution alle diese Pläne zunichte gemacht haben.

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BeitragVerfasst am: Sa, 15. April 2006 0:19 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, Andre!

Natürlich wurden bisweilen kleinere Reichsststände von grösseren verschluckt,
d.h. wenn der Schluckende selbst stark genug war oder aber,
wenn sich eine Lobby fand.
Friedrichs „Fürstenbund“ war eine solche Lobby und hat die Ohnmacht
des alten Reichs offen zur Schau gestellt, das sich gegen
solchen Expansionismus ihrer eigenen Glieder nicht zur Wehr setzten konnte;
genausowenig wie es die Kriege der Glieder untereinander hat verhindern können.
Darüber hinaus liess sich solch eine Vergrößerung der eigenen Ländereien
ja durchaus leicht auch mittels Heiratspolitik oder Erbschaft erreichen.
Doch beide dieser Arten der „Reduzierung“ von Einzelstaaten konnten
zum einen niemals „endlich“ genannt werden konnte
(erneute Aufteilung von Ländereien an die Erbenden beim nächsten Todesfall) sowie die Tatsache,
dass eine Expandierung nicht unbedingt zugleich auch einen „Flicken“
weniger bedeuten musste.
Herrschaften konnten aus x Gebieten bestehen, die nicht unbedingt zusammenhängend waren.
Allein im „kleinen“ schwäbischen Reichskreis tummelten sich
zeitweise 92 Herrschaftenund Reichsstände und die Besitzungen
des Erzbistums Mainz zum Beispiel waren über das ganze Reich verstreut.

Meinst Du nicht, die Reformen / „Reformer“ der vorrevolutionären Zeit sind nicht nur
nachträglich schöngeredet worden,
der „guten alten Zeit“ wegen, die nach meinem Denken eben aber auch nur in der
Erinnerung noch lebenswert erscheint? (Josephinismus)
Bisschen Leibeigenschaft wegnehmen hier,... bisschen Gerichtsordnung erneuen dort.
Ein Herrscher des HRRDN hatte nicht die Macht, alleine seine Reformen flächendeckend durchzusetzen.
Hätte ein einziges Menschenleben dazu überhaupt ausgereicht.
Ein reformfreudiger Kaiser macht noch keinen Sommer!
Auf jeden aufgeklärten Herrscher folgte ein reaktionärer. (Im Reich wie auch darunter)
Das war vor dem 30jährigen Krieg so und wäre auch so weitergegangen. Auf Ewigkeit, amen.
NACHHER aber wollten wohl alle VORHER schon jede Menge reformiert haben...
Für mich sind diese Reformen aber nur „Tropfen auf dem heissen Stein“ gewesen.
Und wenn denn mal etwas wirklich funktionierte, wie nämlich das Postmonopol von Thurn und Taxis
...dann kamen Sachsen und Preussen und eröffneten ihre eigene Post.

Wie hatte ich doch seinerzeit in Auerbach's Keller nur kurz und doch so treffend dazu festgestellt:
Zitat:
Das liebe Heil'ge Röm'sche Reich,
Wie hält's nur noch zusammen?

Wie dem auch sei, ... Wink

Mir ist nicht bekannt, daß eine einzige Reform auf die Egalisierung der Gesellschaft gezielt hätte.
War da eine einzige echte soziale Reform dabei?
Oder zählen dazu bereits angedachte Lockerungen der Zunftordnung???
Meinst Du nicht - wie ich- , daß diese „Reförmchen“ nur nachträglich
hochstilisiert worden sind?

Zitat:
Staatstheoretiker des späten 18.Jahrhunderts hielten eine Modernisierung und grundlegende Reform des Reiches für möglich.

Ein "Staatsrechtler", Johann Jacob Moser, schrieb 1745
Zitat:
„Das Römische Reich wäre ohnstreitig noch jezo die formidabelste Potenz von ganz Europa,
wenn dessen Stände, fürnehmlich aber die mächtigsten, einig wären
und mehr auf das gemeine Beste als auf ihr Privat-Interesse sähen.“.

Hört, Hört!
Nichts gegen zu sagen, ... ober doch nur reichlich naiv?

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss war damit jedenfalls endgültig Schluß.
112 Reichsstände verschwanden von der Karte und aus der Politik.
Nur sechs Reichsstädte behaupteten ihre Unmittelbarkeit.
Mit der Säkularisierung wurde glecihzeitig endgültig auch die Herrschaft des Krummstabes gebrochen.
(Für mich persönlich das eigentliche Ende des Mittelalters im Reich.) Twisted Evil
Auch das kein vorrangiges Ziel der sogenannten „Reformer"...

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Zuletzt bearbeitet von Mephisto am Sa, 15. April 2006 9:52, insgesamt einmal bearbeitet
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