Autor: Markus Stein
Erstellungsdatum: 10. Januar 2026
Mit der Gründung des Rheinbundes im Juli 1806 veränderte Napoleon Bonaparte die politische Landkarte Mitteleuropas grundlegend. Der Bund, formal ein Zusammenschluss deutscher Staaten unter dem Protektorat des französischen Kaisers, bedeutete das endgültige Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Zahlreichen Territorien wurden zu größeren, oft neu zugeschnittenen Staaten, die sich in unterschiedlichem Maße an Frankreich banden, zusammengeführt.
Die Rheinbundakte vom 12. Juli 1806 betrachtete die Mitgliedstaaten zwar als „souverän“, doch in der Praxis standen sie in enger politischer und militärischer Abhängigkeit von Frankreich. Napoleon sicherte sich durch den Bund nicht nur die politische Kontrolle über große Teile Deutschlands, sondern auch die militärische Unterstützung seiner Verbündeten. Die Fürsten erhielten im Gegenzug (teilweise) territoriale Erweiterungen und die Anerkennung ihrer neuen Titel — etwa den eines Königs von Bayern, Württemberg oder Sachsen.
Militärisch verpflichteten sich die Rheinbundstaaten zur Stellung beträchtlicher Kontingente für die französische Armee. Je nach Größe und Bevölkerungszahl mussten Einheiten verschiedener Waffengattungen aufgestellt und in die französischen Armeen eingegliedert werden. Diese Truppen kämpften an Napoleons Seite in nahezu allen Feldzügen ab 1806 bis zu den Befreiungskriegen 1813. Besonders in den Jahren 1809 bis 1812 erreichte die Zahl der eingesetzten Rheinbundsoldaten ihren Höhepunkt und machte zeitweise fast ein Drittel der "Großen Armee" aus. Hinter der formalen Bundesstruktur stand kein gleichberechtigtes Bündnis, sondern ein Instrument französischer Hegemonie. Die Staaten waren verpflichtet, Napoleons Kriege zu unterstützen, zum Teil gegen ihre eigenen Interessen.
Der Rheinbund löste sich nach Napoleons Niederlage im Jahr 1813 endgültig auf. Dennoch markierte er eine bedeutsame Etappe in der deutschen Geschichte: einerseits als Symbol für die französische Dominanz, andererseits als Ausgangspunkt für Prozesse territorialer Neuordnung, die langfristig den Weg zur deutschen Einigung im 19. Jahrhundert bereiteten.
In der Akte des Rheinbundes, den Napoleon am 12. Juli 1806 mit zahlreichen deutschen Fürsten einging, finden sich die Paragraphen 35 bis 38 mit Bezug auf die Gestellung von Truppen bzw. des beiderseitigen Beistandes im Kriegsfalle. Im Folgenden werden diese hier zitiert (Quelle: Die Rheinische Konföderations-Akte oder der am 12. Julius 1806 zu Paris abgeschlossene Vertrag, hrsg. von P.A. Winkopp, Frankfurt am Main 1808. Art. 35. Zwischen dem französischen Reiche und den rheinischen Bundesstaaten soll in ihrer Gesamtheit sowohl als mit jedem einzelnen ein Bundniß Statt haben, vermöge wessen jeder Krieg auf dem festen Lande, den einer der kontrahirenden Theile zu führen haben könnte, für alle andere unmittelbar zur gemeinsamen Sache wird. Art. 36. Im Falle eine diesem Bündnisse fremde und benachbarte Macht sich rüstet, sollen die hohen kontrahirenden Theile, um nicht unvorbereitet überfallen zu werden, auf die Anforderung, welche der Mininster eines konföderirten Staats desfalls zu Frankfurt machen wird, sich ebenfalls bewaffnen. Das Kontingent, welches ein jeder von den Verbündeten zu stellen hat, wird in Viertel getheilt, und die Bundesversammlung hat zu bestimmen, wie viel Viertel mobil gemacht werden sollen; aber die Bewaffnung darf nicht eher bewerkstelligt werden, als in Folge einer von Sr. Majestät dem Kaiser und Könige an jeden der verbundenen Mächte erlassenen Einladung. Art. 37. Se. Majestät der König von Baiern macht sich anheischig, die Städte Augsburg und Lindau zu befestigen, im ersten dieser beiden Plätze Artillerie-Etablissements zu errichten und zu allen Zeiten zu unterhalten; am zweiten Orte aber einen hinlänglichen Vorrath an Flinten und Munition zu haben, der als Reserve dienen soll, desgleichen auch in Augsburg Bäckereien anzulegen, um einen Vorrath von Zwieback backen lassen zu können, damit im Falle eines Kriegs der Marsch der Armeen keinen Aufenthalt erleide. Art. 38. Das von jedem der Verbündeten im Falle eines Krieges zu stellende Kontingent wird auf folgende Weise festgesetzt: Frankreich stellt 200,000 Mann von jeder Art Waffen; das Königreich Baiern 30,000 von jeder Waffengattung; das Königreich Würtemberg 12,000; der Grosherzog von Baden 8000; der Grosherzog von Berg 5000; der Grosherzog von Darmstadt 4000. Ihre Durchlauchten der Herzog und der Fürst von Nassau stellen mit den übrigen verbündeten Fürsten ein Kontingent von 4000 Mann. |
![]() Einband der Rheinbundakte vom 12. Juli 1806 |
Anhand der Werke Der Rheinbund, historisch und statistisch dargestellt, von Karl Heinrich Ludwig Pölitz, Leipzig 1811 (ab Seite 329) und La Confédération du Rhin, von Jean Angelelli und Alain Pigeard, Entrement-le-vieux 2002 (Seite 291), wurde die folgende Tabelle erstellt - ihre Sortierung erfolgt absteigend nach zu stellender Truppenstärke.
| Land | Beitrittsdatum | Größe (Quadratmeilen) |
Einwohner | Militärkontingent (Mann) |
|---|---|---|---|---|
| Königreich Bayern | 12. Juli 1806 | 1.636 | 3.231.570 | 30.000 |
| Königreich Westphalen | 15. November 1807 | 1.143 | 2.612.000 | 25.000 |
| Königreich Sachsen | 11. Dezember 1806 | 736 | 2.276.000 | 20.000 |
| Königreich Württemberg | 12. Juli 1806 | 329 | 1.211.325 | 12.000 |
| Großherzogtum Baden | 12. Juli 1806 | 275 | 924.307 | 8.000 |
| Großherzogtum Berg | 12. Juli 1806 | 314 | 931.000 | 5.000 |
| Großherzogtum Hessen | 12. Juli 1806 | 214 | 541.083 | 4.000 |
| Großherzogtum Frankfurt | 12. Juli 1806 | 83,5 | 299.800 | 2.800 |
| Großherzogtum Würzburg | 25. September 1806 | 97 | 311.000 | 2.000 |
| Herzogtum Mecklenburg-Schwerin | 22. März 1808 | 226 | 328.636 | 1.900 |
| Herzog von Nassau-Usingen Fürstentum Nassau-Weilburg |
12. Juli 1806 | 103 | 272.000 | 1.680 |
| Herzogtum Sachsen-Gotha | 15. Dezember 1806 | 55 | 187.000 | 1.100 |
| Herzogtum Oldenburg | 14. Oktober 1808 | 97,5 | 159.550 | 800 |
| Herzogtum Sachsen-Weimar | 15. Dezember 1806 | 35 | 111.000 | 800 |
| Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt |
18. April 1807 | 23 22 |
56.000 58.000 |
650 |
| Fürstentum Lippe-Detmold | 18. April 1807 | 24 | 70.540 | 500 |
| Fürstentum Reuß-Greiz Fürstentum Reuß-Gera Fürstentum Reuß-Schleiz Fürstentum Reuß-Lobenstein Fürstentum Reuß-Ebersdorf |
18. April 1807 | 7 7,5 6 4,5 3,5 |
21.800 22.836 16.560 7.498 7.837 |
450 |
| Herzogtum Mecklenburg-Strelitz | 18. Februar 1808 | 48 | 70.000 | 400 |
| Herzogtum Sachsen-Coburg | 15. Dezember 1806 | 19 | 61.000 | 400 |
| Fürstentum Waldeck | 18. April 1807 | 22 | 50.500 | 400 |
| Herzogtum Arenberg | 12. Juli 1806 | 50 | 59.000 | 379 |
| Herzogtum Anhalt-Dessau | 18. April 1807 | 17 | 54.000 | 350 |
| Fürstentum Salm-Salm Fürstentum Salm-Kyrburg |
12. Juli 1806 | 31 | 59.086 | 323 |
| Herzogtum Sachsen-Meiningen | 15. Dezember 1806 | 18 | 48.000 | 300 |
| Fürstentum Isenburg | 12. Juli 1806 | 11 | 43.000 | 291 |
| Herzogtum Anhalt-Bernburg | 18. April 1807 | 16 | 35.193 | 240 |
| Herzogtum Anhalt-Köthen | 18. April 1807 | 15 | 23.842 | 210 |
| Herzogtum Sachsen-Hildburghausen | 15. Dezember 1806 | 17 | 32.000 | 200 |
| Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen | 12. Juli 1806 | 19 | 39.000 | 197 |
| Fürstentum Lippe-Schauenburg | 18. April 1807 | 10 | 20.132 | 150 |
| Fürstentum Hohenzollern-Hechingen | 12. Juli 1806 | 5,5 | 14.000 | 93 |
| Fürstentum Lichtenstein | 12. Juli 1806 | 2,5 | 5.002 | 40 |
| Fürstentum Leyen | 12. Juli 1806 | 2,5 | 4.500 | 29 |
Insgesamt muss der Rheinbund mit knapp 15 Millionen Einwohnern im Jahr 1811 eine Truppenstärke von 118.683 Mann stellen.