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Stabsoffizierkorps der k.k. Husaren 1792-1815

 

Im Folgenden findet sich die deutsche Übersetzung eines einleitenden Kapitels aus einem neuen Werk des ungarischen Militärhistorikers Attila Réfi. Es trägt den Titel A császári-királyi huszárezredek törzstiszti kara a franica forradalmi és a napóleoni háborúk korában (1792-1815). Durch die intensive Beschäftigung mit den Biographien der Offiziere im österreichischen Husarenkorps gelingt ihm eine umfassende soziographische Analyse des Stabsoffizierskorps. Die eingestreuten Abbildungen wurden ebenfalls durch Attila Réfi zur Verfügung gestellt.

Einleitung

Husar vom Regiment Nr. 9
Husar des kaiserlich-königlichen Johann von Frimont Husarenregiment Nr. 9
(aus Georg Ernst: Geschichte des k.k. neunten Husaren-Regiments Fürst Franz Liechtenstein. Wien 1862)

Ab Mitte des 18. Jahrhunderts spielte das Offizierskorps der Armee während der gesamten Zeit des Bestehens des Habsburgerreiches – und in der ungarischen Gesellschaft sogar danach, bis hin zum Ende des Zweiten Weltkriegs – eine ganz besondere, begünstigte Rolle. Demzufolge ist es nicht überraschend, dass in den vergangenen zwei-drei Jahrzehnten der Untersuchung dieser eigentümlichen Schicht auch im Laufe der Forschungen mehrerer hervorragender ungarischer Historiker eine besondere Rolle zukam.

Trotz der fertig gestellten Arbeiten existieren jedoch noch immer große Mängel. Bis heute fehlten nämlich unter anderem Untersuchungen des kaiserlich-königlichen Offizierskorps aus der Zeit der französischen Revolutions- und der Napoleonischen Kriege, die in der internationalen Kriegsgeschichtsschreibung ein herausragendes Forschungsgebiet darstellen, in der ungarischen jedoch im Grunde stiefmütterlich behandelt werden. So fehlten diese natürlich auch in Bezug auf die Heeresergänzungsverbände der kaiserlich-königlichen Armee in Ungarn, auch auf das Offizierskorps der Husaren.

Dabei haben die Husaren eine ganz besondere Bedeutung für die ungarische Nation, da es sich um die einzige militärische Truppengattung ungarischen Ursprungs handelt. Sie verkörpern einen Wert, den Ungarn Europa und der Welt gegeben hat. Die Gattung der Husaren wurde nämlich in ihrer Glanzzeit in insgesamt 34 Ländern Europas eingeführt, natürlich unter der Leitung von Offizieren und Ausbildern ungarischer Herkunft. Dabei wurden zugleich auch die Bräuche, die Uniformen mit ungarischem Schnitt und auch der Haarschnitt und charakteristische Schnurrbart verbreitet. Ihr Erfolg wird eindeutig durch die Tatsache belegt, dass sogar die französische „Grande Nation“, die auf ihre nationalen Werte und Traditionen so stolz ist, die dortige Geschichte der Gattung der Husaren, welche durch einige verbannte Ungarn auch bei ihnen eingeführt wurde, unter ihren eigenen, tatsächlich glorreichen Traditionen anführt.

Einige ungarische Husaren schafften es dabei auch über die Grenzen des alten Kontinents hinaus. So kamen sie in Begleitung von Kaiser Maximilian auch nach Mexiko, und ein Offizier des Kaisers reiste sogar bis nach Hawaii weiter, wo er ebenfalls einen Versuch zur Organisierung eines Husarenverbandes unternahm. So ist es nicht verwunderlich, dass einige ungarische Husaren, die die ausgewogene bürgerliche Lebensführung womöglich nicht einmal vom Hörensagen kannten, auch in größeren Kämpfen wie dem amerikanischen Unabhängigkeits- und später Bürgerkrieg sowie im Burenkrieg in Afrika zu finden waren und den Ruf der Truppengattung weiter verbesserten. Insoweit ist es also nicht übertrieben, wenn in der bislang letzten Zusammenfassung des Themas der Redakteur József Zachar geradezu davon spricht, dass die Husaren zu einem Teil des Weltkulturerbes geworden sind.

Der Husar par excellence war jedoch stets der ungarische Husar, der über sein ursprüngliches Ich hinauswachsend zum bestmöglichen Beweis, ja sogar Symbol der Kriegstauglichkeit der ungarischen Nation und auf diese Weise zu einem festen Bestandteil der ungarischen Folklore, Kultur, Literatur und Volkskunst wurde. Der berittene Soldat (Husar) lebte und lebt vielleicht sogar heute noch im historischen Bewusstsein des Ungarn in einer privilegierten, ausgezeichneten Rolle. Belegt wird dies auch dadurch, dass er in zahlreichen Varianten seiner Darstellung zusammen mit den wichtigsten nationalen Symbolen – dem Landeswappen, der Nationalflagge oder den Nationalfarben – abgebildet wird. Kein Wunder also, dass die verschiedenen Husarenaufmärsche und Husarenvorführungen auch in unseren Tagen einen festen und nicht wegzudenkenden Teil der Nationalfeiertage bilden.

Husar des Regiments Nr. 9
Husar des kaiserlich-königlichen Johann von Frimont Husarenregiment Nr. 9
(aus Georg Ernst: Geschichte des k.k. neunten Husaren-Regiments Fürst Franz Liechtenstein. Wien 1862)

All dies begründet auch die Untersuchung der Husaren aus wissenschaftlicher Sicht, was natürlich nicht ohne jegliche Vorgeschichte ist. So fand sich bereits ab Beginn des 19. Jahrhunderts auch die Vorstellung dieser Truppengattung in mehreren bedeutenden organisationsgeschichtlichen Werken, die die Gesamtheit der Streitkraft der Habsburger darstellten. Hervorzuheben sind die Arbeiten von August Gräffer, Andreas Thürheim und vor allem das monumentale Werk von Alphons von Wrede. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden dann auch Werke, die sich ausschließlich mit der Truppengattung der Husaren beschäftigten. Neben zahlreichen Studien, die einzelne Detailfragen oder jeweils eine Ära aufarbeiteten, wurden auch mehrere Werke mit dem Anspruch einer Monografie über die Geschichte der Husaren veröffentlicht. Hervorzuheben von diesen Arbeiten mit recht unterschiedlichem Wert sind A magyar huszár [Der ungarische Husar] redigiert von Endre Ajtay und Endre Péczely aus der Zwischenkriegszeit, das zur Zeit der Jahrtausendwende veröffentlichte Werk Nagy huszárkönyv [Großes Husarenbuch] von György Ságvári und Győző Somogyi sowie das ebenfalls in dieser Zeit erschienene, von József Zachar redigierte Werk A magyar huszár [Der ungarische Husar].

Von den bisher über die Husaren erschienenen Werken beschäftigte sich jedoch – abgesehen von zwei Ausnahmen – keines dieser Arbeiten mit dem Offizierskorps der Truppengattung. Diese beiden Werke sind: das biografische Lexikon von János Bene und Péter Szabó Péter, das das Honvéd-Offizierskorps der Husaren zwischen 1938 und 1945 aufarbeitet bzw. teilweise ein Werk von József Zachar, das unter dem Titel Habsburg-uralom, állandó hadsereg és magyarság [Habsburgerherrschaft, stehendes Heer und Ungartum] erschien. Aber auch die Forschungen des Letzteren sind nicht eindeutig auf die Untersuchung des Husaren-Offizierskorps gerichtet, sondern neben diversen Analysen aus anderen Aspekten auf die Untersuchung der ungarischen Heeresergänzungsverbände der Zeit vor den französischen Kriegen (1683–1792), darunter natürlich der Husaren, sowie die ungarischen Stabsoffiziere, vor allem Obersten und Regimentsinhaber bzw. die an der Führung beteiligten Generäle.

Eine Untersuchung des Husarenoffiziers- bzw. Stabsoffizierskorps der französischen Kriege ist bisher also nicht erfolgt. Die vorliegende Arbeit, die auf der breit angelegten Erschließung von Archiv- und fachliterarischen Quellen von anderthalb Jahrzehnten beruht, versucht diesen Mangel zu beheben.

Ritterkreuz des Militär-Maria-Theresien-Ordens
Ritterkreuz des Militär-Maria-Theresien-Ordens
(Bildnachweis: Wikipedia)

Die erwähnte Forschung erstreckt sich innerhalb der Truppengattung der Husaren grundsätzlich auf die Untersuchung der oberen Führung, also des Stabsoffizierskorps der regulären kaiserlich-königlichen Husarenregimenter, die während der Ära für kürzere oder längere Zeit in der Streitkraft des Habsburgerreiches zu finden waren. Dabei wurden all jene Personen untersucht, die zwischen 1792 und 1815 bei einem kaiserlich-königlichen Husarenregiment mit dem Rang eines Stabsoffiziers dienten, unabhängig von der Dauer. Ausgelassen wurden dagegen die ausschließlich in diversen kurzlebigen Husaren-Freikorps, in den berittenen Insurrektionseinheiten und in der ebenfalls zur Truppengattung der Husaren gehörenden, jedoch nie im Kampf eingesetzten Königlich Ungarischen Adeligen Leibgarde (Magyar Királyi Nemesi Testőrség) dienenden Stabsoffiziere. Nachdem aber von den Stabsoffizieren der regulären Regimenter mehrere im Laufe ihrer Laufbahn bei einem dieser Verbände dienten, war auch die Untersuchung dieser nicht ganz vermeidbar. Schließlich wurden aus der Untersuchung auch diejenigen Offiziere ausgeschlossen, die während ihrer Dienstzeit nur den Kapitänsrang erreichten und bei der Versetzung in den Ruhestand oder eventuell beim Austritt aus dem Armeebestand den Rang eines Ehrenmajors (Titular-Majors) erhielten.

Das Ziel in Bezug auf die angeführte Gruppe war – infolge der verhältnismäßig geringeren Menge – die umfassende Aufarbeitung und nicht eine Probeentnahme, wie im Falle von ähnlichen Untersuchungen verbreitet.

Dem entsprechend wurde als erster, grundlegender Schritt die möglichst vollständige Namensliste der betroffenen Offiziere zusammengestellt. Dies erfolgte in erster Linie auf Grund des sogenannten Militärschematismus der k. k. Armee, die ab dem Jahr 1790 jährlich herausgegeben wurde. Dieser wurde auf Grund sonstiger Quellen, vor allem der sogenannten Regimentsgeschichten, die im Auftrag der einzelnen Regimenter, auf Grund des Schriftenmaterials dieser an der Wende des 19-20. Jahrhunderts zusammengestellt wurden, ergänzt und spezifiziert.

Als nächster Schritt erfolgte die Sammlung der biografischen Angaben der in der Liste angeführten Stabsoffiziere. Hierzu war bereits vorrangig die Aufarbeitung der einschlägigen Archivquellen notwendig, auch wenn in zahlreichen Fällen auch die Fachliteratur wertvolle Informationen lieferte.

In dieser Hinsicht waren vor allem die im Bestand Musterlisten und Standestabellen des Österreichischen Kriegsarchivs befindlichen sogenannten Musterlisten sowie die Pensionsbücher, des Weiteren in geringerem Maße die Assentlisten und Transferierungslisten die wichtigsten Quellen.

Leider gibt es über die in der Zeit während ihres aktiven Militärdienstes Verstorbenen bzw. aus dem Militärdienst freiwillig ausgetretenen (quittierten) oder eventuell aus diversen Gründen von der Armeeführung entlassenen Offiziere kein gesondertes zusammenfassendes Verzeichnis. In vielen Fällen wird die Forschung jedoch dadurch erleichtert, dass in der Fachliteratur die Kurzbiografie einer bedeutenden Zahl an Offizieren zu finden ist, vor allem in den deutschsprachigen Werken der Zeit der Doppelmonarchie (Hirtenfeld, Wurzbach, Svoboda), auch wenn diese oft grobe Ungenauigkeiten enthalten. Nach der Zusammenstellung des Großteils der Biografien konnte die statistische Analyse der in diesen enthaltenen wichtigsten Angaben aus verschiedenen Aspekten erfolgen. Auf Grund der so erhaltenen Ergebnisse konnten Schlussfolgerungen in Bezug auf die wichtigsten Charakteristika und Eigenheiten des Husaren-Stabsoffizierskorps gemacht werden.

Die Forschung weist naturgemäß auch ungewollt sowohl über die angeführten Epochengrenzen, als auch über die Truppengattung der Husaren hinaus. Einerseits weil ein bedeutender Teil der Lebensbahnen bereits vor der Ära ihren Anfang nahm bzw. sich auch über diese hinaus fortsetzte, andererseits weil ein Großteil der untersuchten Personen während der Karriere nicht nur bei den Husaren, sondern auch bei anderen Truppengattungen diente. Zudem wird aus den Forschungsergebnissen in mehreren Fällen auch der familiäre Hintergrund der behandelten Stabsoffiziere deutlich und erweitert auf diese Weise den Kreis der Untersuchungen.

Zuerst werden im Werk – nach der Vorstellung der Methodologie der Forschung und eines kurzen historischen Überblicks über die Husaren – die kaiserlich-königlichen Husarenregimenter der Zeit der französischen Kriege präsentiert, und zwar zusammen mit ihrem organisatorischen Aufbau und ihrem Personalbestand.

Danach folgen die historisch-statistischen und soziologischen Analysen, die auf Grund der aufgearbeiteten biografischen Daten erstellt wurden und hinsichtlich des Husaren-Stabsoffizierskorps neue Forschungsergebnisse beinhalten. Dabei versuchte der Verfasser durch die Aufarbeitung der wichtigsten Indizes ein genaues Bild über das Husaren-Stabsoffizierskorps zu zeichnen und war zugleich bestrebt, die diesbezüglichen allgemeinen Feststellungen der früheren Fachliteratur, die detaillierte Untersuchungen vermissen lassen, zu spezifizieren.

Nach der Vorstellung der grundlegenden Charakteristika des Stabsoffizierskorps - auf den folgenden Seiten über Herkunft, Laufbahn, Gesellschaftliche Mobilität und eine Liste aller Stabsoffiziere - folgt das umfangreichste Kapitel des Werkes mit dem Titel Biografische Daten. Darin werden die kurzen Lebensläufe der 282 Personen präsentiert, die in der Zeit in den kaiserlich-königlichen Husarenregimentern Dienst leisteten, und zwar auf Grund ihrer höchsten Rangstufe, die sie in der Zeit der französischen Kriege als Husaren errungen haben, gruppiert in Unterkapiteln mit dem Titel Majore, Titular-Oberstleutnants, Oberstleutnants, Titular-Oberste und Oberste.

Der Aufbau der einzelnen Biografien folgt nach Möglichkeit der folgenden Struktur, wobei es teilweise – vor allem auf Grund mangelnder Daten – Abweichungen geben kann:

  • Name;
  • in Klammern die während der Laufbahn erreichte höchste Rangstufe, falls diese von der als Husar in der Zeit erlangten höchsten Rangstufe abweicht;
  • Geburtsort und -datum – Sterbeort und -datum;
  • gesellschaftliche, Nationalitäten- und Religionszugehörigkeit;
  • Vorstellung der Militärlaufbahn, zumeist in stichwortartigen Angaben, wobei der Zeitpunkt und Ort des Beginns des Militärdienstes und die wichtigsten Stationen der Laufbahn, also der Zeitpunkt der Erlangung der einzelnen Rangstufen und der jeweilige Ort des Dienstes vorgestellt werden;
  • Zeitpunkt und Art des Abschlusses der Militärlaufbahn;
  • sonstige Anmerkungen in Bezug auf den eventuellen Besitz eines Regiments, eine erlittene Kriegsgefangenschaft und Auszeichnungen; in der Reihe der militärischen Auszeichnungen werden, falls vorhanden, an erster Stelle der Zeitpunkt der Verleihung des Militär-Maria-Theresien-Ordens und in bestimmten Fällen die Umstände der Erlangung erwähnt;
  • sonstige Anerkennung(en) nicht militärischen Charakters, eventuelle Rangerhöhung(en), Einbürgerung;
  • Familienstand sowie – falls bekannt – Name der Ehefrau(en) und Kinder bzw. die Zahl Letzterer.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Arbeit ein umfassendes Bild über das Stabsoffizierskorps der charakteristisch ungarischen Truppengattung der kaiserlich-königlichen Streitkraft, der Husaren, gibt, das bei weitem nicht nur ungarischer Nationalität war, sowie über ihre herausragende Leistung in der Zeit der französischen Revolutions- und der Napoleonischen Kriege, die von welthistorischer Bedeutung war. Infolge der Veröffentlichung der Lebensläufe ermöglicht das Werk zudem die Durchführung von weiteren vergleichenden Analysen und Untersuchungen, gegebenenfalls auch mit anderen Truppengattungen, sowie von sonstigen genealogischen Forschungen.

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© Napoleon Online - Letzte Aktualisierung am 06.01.2014
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